Von Elisabeth Fleischhauer 24. August 2026
Insgesamt bleibt der deutsche Homecare-Markt eine strukturell wachsende Versorgungsbranche, die durch die demografische Entwicklung und den systemischen Wandel hin zur Ambulantisierung ("ambulant vor stationär") gestützt wird. Gleichzeitig verlangt der Sektor eine klare strategische Ausrichtung, insbesondere bei Digitalisierung und Personalmanagement, um Fachkräftemangel und Kostendruck zu bewältigen. Für mittelständische Unternehmer ist operative Exzellenz heute die Grundvoraussetzung, um in einem durch Private Equity und strategische Konsolidierung geprägten Umfeld von stabilen Bewertungsniveaus zu profitieren.
Dieser Bericht behandelt Homecare im engeren, deutschen Verständnis: die Versorgung chronisch kranker Patienten mit erklärungsbedürftigen Hilfsmitteln und den dazugehörigen Dienstleistungen (SGB V). Er ist klar abzugrenzen von der ambulanten Pflege (SGB XI) und von der international gebräuchlichen Sammelkategorie "Home Healthcare", die Pflege, Medizingeräte und Telemonitoring zusammenfasst.
Homecare schließt als ärztlich verordnete ambulante Therapie die Lücke zwischen Klinik und Häuslichkeit
Der Begriff „Homecare" wird im deutschen Sprachgebrauch häufig synonym mit „ambulanter Pflege" verwendet. Das ist ungenau und kann bei einer Unternehmensbewertung oder einem Verkaufsprozess zu falschen Vergleichen führen. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) definiert Homecare als die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit medizinischen Hilfsmitteln, Verbandmitteln sowie medizinischer Ernährung zu Hause und in Pflege- oder Altenheimen. Diese Versorgung erfolgt ärztlich verordnet durch geschultes Fachpersonal, mit dem Ziel, das Behandlungsniveau der Klinik in der Häuslichkeit des Patienten fortzuführen und eine erneute Krankenhauseinweisung zu vermeiden.
Ambulante Pflege im engeren Sinn ist dagegen eine Leistung der sozialen Pflegeversicherung (SGB XI): Sie umfasst die Grundpflege, etwa Unterstützung beim Waschen, bei der Mundhygiene oder der Nahrungsaufnahme, sowie die Behandlungspflege, also die Durchführung medizinischer Leistungen durch geschultes Personal nach ärztlicher Delegation. Kostenträger ist hier die Pflegekasse, nicht die Krankenkasse.
Homecare-Unternehmen versorgen ihre Patienten nicht nur mit dem Produkt, sondern übernehmen zunehmend auch dessen Koordination. Dazu gehört die Kontaktaufnahme mit dem Hausarzt, termingerechte Bereitstellung bei Entlassung, Abstimmung mit dem ambulanten Pflegedienst und laufende Überprüfung des Therapieplans. Homecare verbindet damit Produkt und Dienstleistung, während ambulante Pflege im Kern eine reine Personaldienstleistung ist. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen.
Merkmal | Homecare | Ambulante Pflege |
|---|---|---|
Rechtsgrundlage | § 33 und § 31 SGB V (Hilfsmittel, Verbandmittel, Ernährungstherapeutika); Verträge nach § 127 SGB V | SGB XI (Soziale Pflegeversicherung) sowie § 37 SGB V (häusliche Krankenpflege) |
Kostenträger | Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) | Soziale Pflegeversicherung (SPV) / Pflegekassen |
Kernleistung | Versorgung mit Medizinprodukten (Hilfs-, Verbandmittel, Ernährungstherapeutika) plus fachliche Beratung, Einweisung und Koordination durch spezialisiertes Fachpersonal | Grundpflege (z. B. Waschen, Ernährung) und Behandlungspflege nach ärztlicher Delegation |
Typische Zielgruppe | Patienten mit chronischen Erkrankungen oder poststationärem Bedarf: Wunden, Stoma, Tracheostomie, Ernährung, Beatmung, Inkontinenz, Infusions-/Schmerztherapie | Menschen mit anerkanntem Pflegegrad nach SGB XI |
Marktstruktur (Stand der zitierten Quellen) | Kein einheitliches Unternehmensregister; rund 6 Mio. Betroffene (2014), Prognose 9,3 Mio. (2030) | 15.549 ambulante Pflegedienste (2023) |
Größenordnung | rund 2,5 Mrd. EUR Erstattungspreise; separat: GKV-Hilfsmittelausgaben 6,8 Mrd. EUR (2013), seit 2007 +23 % | Pflegesachleistungen der SPV an ambulante Pflegedienste: rund 6,1 Mrd. EUR (2023) |
Quelle: eigene Darstellung nach BVMed (2015a, 2015b); Homecare-Versorgung in Deutschland; Statistisches Bundesamt / Statista-Dossier „Pflegenotstand in Deutschland" (2024); Bundesministerium für Gesundheit.
In der Praxis überschneiden sich beide Welten häufig beim selben Patienten, etwa wenn ein pflegebedürftiger Mensch gleichzeitig einen ambulanten Pflegedienst und einen Homecare-Anbieter für die Wundversorgung benötigt. Für die Unternehmensbewertung und für M&A-Prozesse bleiben es dennoch zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle mit unterschiedlichen Vertragspartnern, Erlösmechanismen und Käufergruppen. Dieser Report konzentriert sich auf das Homecare-Segment.
Die Homecare-Versorgung mit Produkten und Dienstleistungen muss ärztlich (z. B. in der Praxis oder im Krankenhaus) verordnet werden.
Der Homecare-Anbieter muss das Rezept prüfen und Kostenübernahme klären (bis zu 10 Werktage). Die Versorgung wird in der Regel umgehend eingeleitet, sodass die Kostenübernahme zeitlich nach Beginn der Versorgung geregelt ist.
Patienten und Angehörige, sowie Pflegekräfte werden im Umgang mit Produkten geschult. Bei individuell angepassten Produkten werden diese angefertigt.
Die Lieferung der Produkte innerhalb 2-3 Tagen bis zu 2 Wochen.
Das Homecare-Unternehmen rechnet mit dem Kostenträger ab.
Regelmäßige Besuche des Homecare-Unternehmens zur Überprüfung der Versorgung und ggf. werden die Produkte angepasst.
Homecare ist eine ärztlich verordnete, ambulante Therapie mit Hilfsmitteln und Dienstleistung, nicht ambulante Pflege. Das Geschäftsmodell lebt vom GKV-Erstattungsanspruch der Versicherten und von der frühen Patientenbindung im Krankenhaus. Genau diese Bindung und der regulatorische Rahmen machen etablierte regionale Anbieter zu attraktiven Übernahmezielen.
Der deutsche Homecare-Markt liegt im niedrigen einstelligen Milliardenbereich und wächst moderat, aber stabil
Belastbare Umsatzzahlen exakt für das enge Homecare-Segment sind öffentlich nicht verfügbar. Als nächstliegender verfügbarer Indikator dient die Statista-Marktkategorie „Anbieter ambulanter Dienste", die eine breite Palette ambulanter Gesundheitsdienstleister umfasst, von Arzt- und Zahnarztpraxen bis zu ambulanten Gesundheitszentren. Diese Zahl ist ausdrücklich nicht mit dem engeren Homecare-Markt gleichzusetzen, veranschaulicht aber den übergeordneten Trend „ambulant vor stationär", von dem auch Homecare profitiert: Deutschland erwirtschaftete hier 2024 rund 160 Milliarden Euro, 2025 bereits rund 172 Milliarden Euro, und ist damit der mit Abstand größte europäische Einzelmarkt, deutlich vor dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Italien und Spanien
Im Vergleich hat der US-amerikanische Markt für Anbieter ambulanter Dienste im selben Jahr rund 1.128 Milliarden Euro erwirtschaftet, mehr als das Sechsfache des deutschen Marktes. Dieser Unterschied ist nicht nur eine Frage der Bevölkerungsgröße, sondern auch Ausdruck eines deutlich weiter konsolidierten, stärker durch Private-Equity-Kapital geprägten Marktes.
Da Homecare-Produkte rechtlich als Medizinprodukte nach § 33 und § 31 SGB V eingeordnet sind, liefert zusätzlich die Umsatzentwicklung der deutschen Medizintechnikbranche einen zweiten, ergänzenden Anhaltspunkt für die Marktdynamik, auch hier ausdrücklich als Proxy und nicht als direkte Homecare-Kennzahl zu verstehen, da die Kategorie auch medizinische Großgeräte und Diagnostik außerhalb der häuslichen Versorgung umfasst. 2025 erwirtschaftete die deutsche Medizintechnikbranche rund 38,2 Milliarden Euro. Bis 2029 wird ein Anstieg auf rund 45,8 Milliarden Euro erwartet.
Im internationalen Vergleich wurden in Deutschland 2024 etwa jeder vierte Euro der europäischen Medizintechnikumsätze und jeder 16. Euro weltweit erwirtschaftet. Eine Positionierung, die laut Prognose bis 2029 im Wesentlichen bestehen bleibt. Sowohl der deutsche als auch der europäische und der globale Markt wachsen der Prognose zufolge in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts etwas stärker als in der ersten. Deutschland wächst dabei minimal stärker als der Durchschnitt Europas.
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Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und Regulatorik als Wachstumstreiber im deutschen Homecare-Markt
Die Bevölkerung Deutschlands wächst nur noch geringfügig. Von rund 84,76 Millionen Menschen im Jahr 2025 steigt sie bis 2030 auf voraussichtlich 85,15 Millionen, bei moderaten Annahmen zu Geburtenrate, Lebenserwartung und Zuwanderung. Der eigentliche Treiber für den Versorgungsbedarf liegt in der Verschiebung der Altersstruktur. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt im selben Zeitraum von 81,57 auf 82,15 Jahre, und innerhalb der Gruppe der über 50-Jährigen, die mit rund 41,80 Millionen Menschen (2024) nahezu konstant bleibt, wächst der Anteil der über 80-Jährigen von 22,73% auf 24,38% im Jahr 2029. Die Zahl der Hochaltrigen nimmt also zu, während die Gesamtbevölkerung stagniert.
Für Homecare ist genau diese Verschiebung entscheidend, denn der Versorgungsbedarf steigt mit dem Alter überproportional. Chronische Wunden, Stoma-, Inkontinenz- und Ernährungsversorgung konzentrieren sich in den höchsten Altersgruppen, und mit zunehmender Lebenserwartung verlängert sich die Dauer, über die diese Indikationen versorgt werden müssen. Der demografische Wandel wirkt damit weniger als Mengen- denn als Intensitätstreiber. Die Zahl der potenziellen Patienten wächst kaum, der Aufwand und die Dauer je Patient jedoch deutlich. Für Anbieter bedeutet das eine strukturell wachsende, langfristig planbare Nachfrage, die weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen verläuft.
Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen wirkt für Homecare-Unternehmen zweifach. Spezialisiertes Fachpersonal etwa für die Tracheostoma- oder Wundversorgung ist zunehmend knapp, weshalb sich beispielsweise der BVMed aktiv für anerkannte Weiterbildungsstandards einsetzt. Gleichzeitig verstärkt der Engpass den politischen und medizinischen Anreiz, Versorgung so weit wie medizinisch vertretbar von der personalintensiven stationären in die ambulante und häusliche Versorgung zu verlagern, was langfristig der Nachfrage nach Homecare-Lösungen zugutekommt. Positiv zu erwähnen ist, dass die Löhne in Gesundheitsfachberufen zuletzt gestiegen sind, was die Personalgewinnung mittelfristig erleichtern dürfte, kurzfristig aber auch den Kostendruck auf Anbieter erhöht.
Die Digitalisierung der Versorgung ist mittlerweile fester Bestandteil der gesundheitspolitischen Agenda für den Homecare-nahen Bereich. Im Entwurf einer Nationalen Wundstrategie fordert der BVMed unter anderem den Ausbau einer standardisierten, digitalen Wunddokumentation, die Nutzung der Telematikinfrastruktur und der elektronischen Patientenakte für den sektorenübergreifenden Datenaustausch sowie den Einsatz KI-gestützter Wundbewertungs-Tools und digitaler Kollaborationsplattformen zwischen Ärzten, Pflegefachpersonen und Homecare-Anbietern.
Diese Entwicklung setzt sich bereits in Unternehmen fort. Das Berliner Unternehmen Recare verbindet mit einer KI-gestützten Plattform für das Entlassmanagement bereits rund zwei Drittel aller deutschen Krankenhäuser, mehr als 650 Reha-Kliniken sowie über 26.000 Pflege- und Homecare-Anbieter miteinander und sammelte Anfang 2026 eine Finanzierungsrunde über 37 Millionen Euro ein. Auch auf Produktebene hält Digitalisierung Einzug. Das österreichische Start-up sendance etwa verwandelt klassische Hilfsmittel durch integrierte Sensorik in datenbasierte Systeme, die Nutzungsdaten für Hersteller und Therapeuten nutzbar machen. Für etablierte Homecare-Unternehmen bedeutet Digitalisierungsinvestitionen werden zunehmend zur Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Positionierung, zu einem der wichtigsten Werttreiber bei einer Unternehmensbewertung.
Die EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) prägt den Markt maßgeblich. Nach Auslaufen der Übergangsfrist im Mai 2024 müssen Hersteller und Vertreiber deutlich umfangreichere klinische Nachweise erbringen. Für kleinere Unternehmen ohne ausreichende Ressourcen steigt dadurch der Druck, Bestandsprodukte vom Markt zu nehmen oder sich einem größeren, besser kapitalisierten Verbund anzuschließen. Für Homecare speziell relevant ist zudem der im Entwurf einer Nationalen Wundstrategie dokumentierte politische Vorstoß des BVMed für verbindliche Versorgungspfade, eine leistungsgerechtere Vergütung und ein bundesweites Wundregister, Ausdruck eines Marktes, der zunehmend aktiv auf eine bessere regulatorische Verankerung hinwirkt.
Dieser regulatorische Druck trifft auf eine Marktstruktur, die historisch stark inhabergeführt und fragmentiert ist. Es ist zu erwarten, dass insbesondere Finanzinvestoren und bereits etablierte Gruppen die Konsolidierung weiter vorantreiben und auf diesem Weg zusätzliches Wachstum erzeugen. Größere Einheiten können Verhandlungen mit den Kostenträgern besser bestehen, Qualitäts- und Dokumentationsanforderungen effizienter abbilden und Investitionen in Digitalisierung auf mehr Schultern verteilen. Wer diesem Konsolidierungsdruck nicht durch eigenes Wachstum begegnen kann oder will, tut gut daran, sich frühzeitig und aus einer Position der Stärke heraus mit den eigenen Optionen zu befassen.
Alternde Bevölkerung, Fachkräftemangel, Digitalisierungsdruck und MDR wirken in dieselbe Richtung. Die Nachfrage nach häuslicher Versorgung wächst strukturell, doch bedienen kann sie nur, wer Größe, Kapital und professionelle Strukturen mitbringt. Genau dies macht Homecare zu einem der aktivsten Konsolidierungsfelder im deutschen Gesundheitsmarkt.
Unternehmensbewertung im Homecare-Markt: EV/EBITDA-Multiples und Werttreiber aus Käufersicht
In der mittelständischen M&A-Praxis dominiert die Multiplikatormethode. Der Unternehmenswert (Enterprise Value) ergibt sich aus einem Multiplikator auf ein nachhaltig erzielbares EBITDA. Zusätzlich Verfahren wie die Discounted-Cashflow-Methode kommen ergänzend zum Einsatz.
Belastbare, öffentlich zugängliche Multiplikatoren speziell für deutsche Homecare-Transaktionen existieren nicht. Kaufpreise werden im deutschen Mittelstand praktisch durchgängig vertraulich behandelt. Zur Orientierung lohnt daher der Blick auf zwei öffentlich dokumentierte Vergleichsgrößen.
Die Homecare-Branche, welche bei der Deutschen Unternehmerbörse unter „Pharma, Bio- und Medizintechnik" fällt, zeigt zuletzt eine attraktive und vor allem strukturell näherliegende Bewertungsspanne als reine US-Vergleichswerte. Im Durchschnitt über alle zitierten Quellen bewegen sich die EV/EBITDA-Multiples zwischen 5,8x und 8,6x. Deutsche KMU der Medizintechnik erzielen dabei laut Deutscher Unternehmerbörse (DUB) im Schnitt ein um etwa 1,8x besseres Multiple als deutsche KMU anderer Branchen, was auf ein vergleichsweise geringeres Risikoprofil und stärkere Wachstumsprognosen zurückgeführt wird. Im Q3/2024 lag der Minimum-Multiple bei 5,5x, der Maximum-Multiple bei 7,9x, bei positivem Trend.
Zur weiteren Einordnung liefert der deutlich reifere US-amerikanische Home-Care-Markt eine zweite Referenzgröße. Die im ersten Quartal 2026 angekündigte Übernahme von Enhabit Home Health & Hospice durch Kinderhook Industries erfolgte zu einem Multiplikator von 10,2x EBITDA (bei 108 Millionen US-Dollar EBITDA und 1,06 Milliarden US-Dollar Umsatz). Börsennotierte Post-Acute-Betreiber in den USA handeln seit 2023 stabil in einer Bandbreite von etwa 10x bis 15x EV/EBITDA; diese Werte stammen aus einem deutlich größenstärkeren und stärker über die Börse finanzierten Markt und lassen sich nicht unmittelbar auf deutsche Mittelstandstransaktionen übertragen.
Für die Einordnung einer konkreten deutschen Homecare-Transaktion erscheint vor diesem Hintergrund eine Bandbreite von rund 4,5x bis 7,0x EBITDA als plausibler Orientierungsrahmen: Der untere Wert reflektiert den typischen Small-Cap-Abschlag inhabergeführter Homecare-Unternehmen gegenüber den zitierten Medizintechnik-Mittelstandswerten, der obere Wert das strukturelle Wachstumspotenzial, das auch die US-Vergleichswerte stützen. Dies ist ausdrücklich eine begründete Orientierungsgröße und kein am Markt beobachteter Homecare-spezifischer Wert.
Käufer, ob strategische Investoren, Beteiligungsgesellschaften oder Konsolidierungsplattformen, bewerten ein Homecare-Unternehmen in der Regel entlang folgender Kennzahlen:
Über die reinen Finanzkennzahlen hinaus zeigt sich im aktuellen Marktgeschehen ein wiederkehrendes Muster an qualitativen Werttreibern:
Spiegelbildlich drücken folgende Faktoren den erzielbaren Preis, oder erschweren eine Transaktion insgesamt:
Unser Minimalziel ist, für Sie das Maximum herauszuholen.
Wir begleiten Sie beim Verkauf Ihres Unternehmens von der Vorbereitung bis zur Vertragsunterzeichnung persönlich. Mit unserem strukturierten Verkaufsprozess sorgen wir für das bestmögliche Ergebnis.
Wer kauft deutsche Homecare-Unternehmen? Käufer, ausgewählte Deals und beobachtete Muster
Für dieses Kapitel wurde eine Datenbank der Unternehmenstransaktionen mit Deutschlandbezug systematisch nach Homecare-Unternehmen durchsucht. Der ausgewertete Zeitraum reicht von Januar 2023 bis Juli 2026 und umfasst 34 Transaktionen, die dem engeren Homecare-Segment zuzuordnen sind. Ihr Anteil an allen deutschen Transaktionen im Gesundheitswesen ist von 2,3 Prozent im Jahr 2023 auf zuletzt 6 bis 9 Prozent gestiegen.
Die Transaktionen des Jahres 2026 zeigen innerhalb weniger Monate, welche Arten von Homecare-Unternehmen derzeit den Eigentümer wechseln. Bei GHC und MPF wechselte ein auf eine einzelne Indikation spezialisierter Systemanbieter für ableitende Inkontinenz mit 140 Mitarbeitenden den Eigentümer. Die Orthopädie-Technik Kurtze in München ist ein 1910 gegründetes und seit 1985 familiengeführtes Sanitätshaus mit 61 Mitarbeitenden, das nun in die „Patient Care"-Sparte eines internationalen Orthopädietechnik-Konzerns eingegliedert wird. sangro medical service aus Erkrath steht für die Distributionsebene des Marktes, mit 340 Mitarbeitenden, über 200 angebundenen Herstellern, mehr als 3.000 belieferten Sanitätshäusern und Homecare-Anbietern sowie über einer Million belieferter Patientenhaushalte pro Jahr, unterlegt mit einem Finanzierungspaket von über 150 Mio. EUR. ORTHO-NOVA in Wiesbaden schließlich ist ein seit 2002 familiengeführtes Sanitätshaus, das in eine Gruppe mit über 30 Standorten im Rhein-Main-Gebiet übergeht.
Damit reicht das Spektrum vom indikationsspezialisierten Versorger über das lokal verwurzelte Sanitätshaus bis zum bundesweit tätigen Distributor. Gemeinsam ist den Zielunternehmen, dass sie über Jahrzehnte gewachsen und überwiegend inhabergeführt waren, bei Unternehmensgrößen zwischen 61 und 340 Mitarbeitenden.
Überblick Target:
GHC ist ein Systemanbieter für ableitende Inkontinenz und Urologie, der überwiegend den deutschen Homecare-Markt beliefert und eigene Handelsmarken führt. Asker baut mit dem Erwerb von 100 Prozent der Anteile seine europäische Plattform im Hilfsmittelvertrieb aus.
Überblick Target:
Sangro Homecare ist ein Homecare-Distributor mit über 200 angebundenen Herstellern, mehr als 3.000 belieferten Sanitätshäusern und über einer Million Patientenhaushalten pro Jahr. Carve-out aus der GHD GesundHeits GmbH und erste Plattforminvestition von Axcel in Deutschland.
Überblick Target:
Curatec ist ein Anbieter häuslicher Elektrostimulationstherapie mit über 25 Jahren Markterfahrung und Verträgen mit den gesetzlichen Kassen. Es handelt sich um eine Nachfolgelösung, mit der der Käufer sein Portfolio um funktionelle Elektrostimulation und Inkontinenztherapie erweitert.
Überblick Target:
Orbisana ist ein Multikanal-Gesundheitsanbieter der Weltbild D2C Group mit Onlinehandel und Sanitätshäusern. Es handelt sich um einen Verkauf aus der Insolvenz, bei dem der auf Tracheostoma und Beatmung spezialisierte Käufer das Homecare-Geschäft übernahm und die übrigen Bereiche an Auxilium, STOLLE und eurotops gingen.
Zwei der vier Transaktionen wurden von skandinavischen Käufern verantwortet. Bemerkenswert ist insbesondere die Übernahme von sangro medical service durch Axcel. Sie markiert sowohl einen Carve-out aus der GHD GesundHeits GmbH Deutschland, einem Portfoliounternehmen von Nordic Capital, als auch die erste Plattforminvestition eines neuen internationalen Investors im deutschen Homecare-Markt. Auf der Zielseite fällt auf, dass mit GHC und MPF ebenfalls ein Verbund aus einer gewachsenen Struktur herausgelöst wurde. Die beiden Transaktionen des Jahres 2025 zeigen demgegenüber die inländischen Anlässe. Bei Curatec Services stand die Unternehmensnachfolge im Vordergrund, bei Orbisana Healthcare die Verwertung aus dem Insolvenzverfahren, bei der das Homecare-Geschäft von den übrigen Unternehmensteilen getrennt und an einen spezialisierten Versorger veräußert wurde.
Hinter jeder dieser Transaktionen steht eine unternehmerische Entscheidung, und meist mehr als ein einzelner Beweggrund. Das letzte Kapitel dieses Reports ordnet diese Motivationen ein.
Warum Homecare-Unternehmen verkauft und gekauft werden
Ohne professionelle M&A-Begleitung bleiben die besten Käufer meist unerreichbar
Ein Unternehmensverkauf ist ein strukturierter Prozess mit typischerweise vier Phasen, von der sechs- bis achtwöchigen Vorbereitung über die Investorenansprache und die rund achtwöchige Due Diligence bis zu Vertragsverhandlung und Signing/Closing. Ein solcher Prozess dauert im Idealfall etwa 12 Monate und lässt sich neben dem operativen Tagesgeschäft kaum ohne professionelle Begleitung bewältigen.
Eine gute Vorbereitung sowie Unterstützung ist dabei essentiell, um einen Prozess erfolgreich zum Abschluss zu führen. Fast alle Abbruchgründe lassen sich durch eine professionelle Prozessführung deutlich reduzieren. Eine marktgerechte und nachvollziehbar hergeleitete Unternehmensbewertung verhindert Enttäuschungen beim Kaufpreis. Eine sorgfältig vorbereitete Unternehmensdokumentation und ein strukturierter Datenraum nehmen der Due Diligence die Überraschungen. Und die gleichzeitige Ansprache mehrerer geeigneter Investoren verbessert die Verhandlungsposition der Verkäuferseite spürbar. Ohne einen strukturierten Prozess und ein belastbares Netzwerk bleiben internationale Käufergruppen, wie sie in Kapitel 5 auftreten, für ein inhabergeführtes Unternehmen praktisch unerreichbar. Genau hier setzt COVENDIT an. Wir begleiten inhabergeführte Unternehmen im Gesundheitswesen von der Bewertung über die Investorenansprache bis zum Abschluss und wahren dabei über den gesamten Prozess die Vertraulichkeit, etwa über ein anonymisiertes Kurzprofil und eine gestufte Informationsfreigabe nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung. In einem Markt mit sensiblen Patienten-, Kassen- und Mitarbeiterbeziehungen ist das von besonderer Bedeutung
Wir begleiten Inhaberinnen und Inhaber von Homecare-Unternehmen in genau diesen Prozessen, von einer unverbindlichen ersten Einschätzung des Unternehmenswertes bis zum erfolgreichen Abschluss einer Transaktion. Wenn Sie einen Unternehmensverkauf in den kommenden Jahren in Betracht ziehen oder einfach eine fundierte Standortbestimmung wünschen, sprechen Sie uns gerne an.
Die folgenden Quellen wurden für die Erstellung dieses Reports herangezogen und sind Grundlage sämtlicher Zahlen, Studienergebnisse und Marktaussagen.