1. Einleitung – Was bedeutet es ein Unternehmen zu gründen beziehungsweise eine Nachfolge anzutreten?

2. Der Ablauf einer Unternehmensgründung
2.1 Erste Schritte und Formalitäten
2.2 Versicherung und Buchhaltung
2.3 Zuschüsse, Fördermittel und die Zeit nach der Gründung

3. Risk/Return – Welches Risiko geht man ein?
3.1 Vor- und Nachteile einer Unternehmensnachfolge
3.2 Vor- und Nachteile einer Unternehmensgründung

4. Finanzierung – Start-ups vs. Nachfolge
4.1 Wachstum durch Venture Capital
4.2 Wachstum durch Eigenkapital und Fremdkapital

5. Fazit – Unternehmensnachfolge oder Start-up: Was ist nun vorteilhafter?

 

1. Einleitung – Was bedeutet es ein Unternehmen zu gründen beziehungsweise eine Nachfolge anzutreten?

Eine Unternehmensgründung birgt viele Herausforderungen und Hürden, doch sie ist gleichzeitig von entscheidender Bedeutung für ein funktionierendes Wirtschaftssystem. Vor einer Unternehmensgründung sind jedoch einige Aspekte zu beachten. Zuerst muss ausgehend von einer Idee ein langfristig funktionierender Businessplan erstellt werden. Justin Mateen, der Gründer der Dating App „Tinder“, fasst diesen Prozess folgendermaßen zusammen:

„Eine Idee ist nur eine Idee. Wann und wie du sie angehst, bestimmt, was daraus wird“

Es sollte ein sogenanntes „Business Model Canvas“ angefertigt werden, um Gründungsideen zu konkretisieren und die wichtigsten Schlüsselfaktoren für den Erfolg des Unternehmens zusammenzuführen und zu definieren. In einem Business Model Canvas werden alle wesentlichen Elemente eines erfolgreichen Geschäftsmodelles zusammengefasst und in ein skalierbares System gebracht. Dieser Schritt verdeutlicht nicht nur die Abhängigkeiten der einzelnen Bestandteile eines Geschäftsmodelles, sondern erleichtert auch das Vergleichen verschiedener Modelle.
Doch nicht nur innovative und nachhaltige Gründungen sorgen für wirtschaftlichen Wohlstand. Im Gegensatz zu der Unternehmensgründung hat die Unternehmensnachfolge den Vorteil, dass ein bereits erfolgreich bestehender Betrieb fortgeführt wird. Dieses bestehende Unternehmen besitzt bereits eine gewisse Marktposition und einen gewissen Marktanteil. Zudem liegen meist wertvolle und etablierte Beziehungen zu Kunden bzw. Auftraggebern sowie zu Lieferanten und Mitarbeitern vor.
Schlussendlich ist die deutsche Wirtschaft maßgeblich von erfolgreichen Unternehmensnachfolgen abhängig. So sind 99 Prozent aller deutschen Unternehmen Mittelständler und ca. 600.000 davon suchen laut dem KfW-Nachfolge-Monitor innerhalb der nächsten fünf Jahre Nachfolger für ihre Unternehmen.

2. Der Ablauf einer Unternehmensgründung

2.1 Erste Schritte und Formalitäten

Wenn eine Idee für eine Unternehmensgründung geboren ist, liegt der erste Schritt in der Anfrage bei der IHK und dem zuständigen Finanzamt, um abzuklären, ob Unternehmensgegenstand bzw. Unternehmensname zulässig sind.
Ein weiterer wichtiger Schritt besteht darin zu eruieren, welche Unternehmensform am besten für das Unternehmen geeignet ist. Denn sowohl Haftung, Besteuerung als auch zahlreiche weitere gesellschaftsrechtliche Themen variieren je nach Rechtsform. Die häufigste Gesellschaftsform bei Neugründungen ist die Einzelunternehmung. Diese Gesellschaftsform geht mit geringen Gründungskosten einher. Sobald mehr als ein Gründer involviert ist, muss überlegt werden, ob eine Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft vorteilhafter ist. Bei Personengesellschaften ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) am beliebtesten, wohingegen bei Kapitalgesellschaften die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) am verbreitetsten ist.
Außerdem muss im Zuge der Gründung eines Unternehmens auch ein Firmenkonto eröffnet werden. Während bei Freiberuflern und Einzelunternehmern die Entscheidung zwischen einem Geschäftskonto oder einem Girokonto getroffen werden kann, müssen Personen- und Kapitalgesellschaften zwingend ein Geschäftskonto eröffnen. Erst wenn das Stammkapital auf dem Konto liegt, der Notar dies bestätigt hat und das Unternehmen beim Handelsregister angemeldet ist, gilt das Unternehmen als handlungsfähig.

2.2 Versicherung und Buchhaltung

Da eine Unternehmensgründung und der damit verbundene Schritt in die Selbständigkeit auch mit Risiken verbunden ist, sollte man sich gegen potenzielle Geschäftsrisiken absichern. Welche Versicherungen sinnvoll sind, ist branchenabhängig und kann durch eine Bedarfsanalyse herausgefunden werden. Ferner sollten Schutzrechte für spezifische Produkte, Erfindungen oder Namen gesichert werden.
Wichtig ist auch, dass man sich von Beginn an für eine Methode der Buchführung entscheidet und mögliche kompatible Softwarelösungen vergleicht bzw. frühzeitig integriert. Zusätzlich sollte man einen Steuerberater hinzuziehen, um steuerliche Zahlungen adäquat einzuplanen.

2.3 Zuschüsse, Fördermittel und die Zeit nach der Gründung

Bund und Länder unterstützen Gründungen oftmals mit einem breiten Angebot an Zuschüssen und Fördermitteln. Da dies jedoch von der persönlichen Situation und der Branche abhängig sind, sollte man sich vor der Gründung informieren, ob man Anspruch auf diese hat. So kann man sich ein KfW-Darlehen auf Bundesebene sichern oder länderspezifische Förderprogramme in Anspruch nehmen.
Auch nach einer erfolgreichen Gründung steht der Unternehmer laufend vor neuen Aufgaben. So muss nicht nur die Wachstumsstrategie und Unternehmensstruktur optimiert werden, sondern auch Krisen gemeistert werden. Zudem muss beachtet werden, dass das Marktumfeld sehr dynamisch sein kann und disruptive Entwicklungen auftreten können.

3. Risk/Return – Welches Risiko geht man ein?

3.1 Vor- und Nachteile von Unternehmensnachfolge

Mit einer Unternehmensnachfolge entstehen große Chancen durch bestehende, funktionierende Strukturen und erfahrene, eingespielte Mitarbeiter. Zudem ist das Geschäftsmodell bereits erprobt, verspricht dadurch mehr Sicherheit und erleichtert die Finanzierung durch Banken. Da in vielen Fällen bestehende Verträge übernommen werden können und ein bestimmter Bekanntheitsgrad vorliegt, wird in der Regel keine zeitintensive Suche nach Geschäftspartnern beziehungsweise Kunden wie bei Start-ups benötigt. Bewährte Abläufe und erfahrene Mitarbeiter bilden ein funktionierendes Konstrukt. Darüber hinaus steht der ehemalige Eigentümer oft weiterhin in beratender Funktion zur Seite, damit das Unternehmen weiterhin von seiner wertvollen Erfahrung profitieren kann.
Doch natürlich birgt eine Unternehmensnachfolge auch Risiken. Vorerst muss zwischen typischen Konstellationen unterschieden werden: Unternehmensübergabe innerhalb der Familie, Unternehmensübergabe außerhalb der Familie und einem Management-Buy-Out. Sind keine Nachfolger innerhalb der Familie vorhanden, gestaltet sich die Übernahme komplexer. Denn viele kleine und mittlere Unternehmen sind stark vom Eigentümer geprägt und dementsprechend auch von diesem abhängig. Unternehmen, die stark auf die Persönlichkeit des Eigentümers ausgerichtet sind, erweisen sich oft als herausfordernd für neue Eigentümer. Vorbereitende Maßnahmen, um die Eigentümerabhängigkeit zu reduzieren, sind: (1) Mitarbeitern frühzeitig mehr Verantwortung übertragen, (2) wichtiges Know-how an Mitarbeiter weitergeben und (3) eine zweite Führungsebene aufbauen. Regelungen bezüglich der Fortführung langjähriger Geschäftsbeziehungen sollten ebenfalls vor der Übernahme berücksichtigt und diskutiert werden. Zudem kann es notwendig sein das Unternehmen durch Investitionen an aktuelle Markterfordernisse anzupassen.

3.2 Vor- und Nachteile von einer Unternehmensgründung

Ein Aspekt, der viele zur Gründung bewegt ist, dass man als Gründer selbstbestimmt arbeiten kann. Als Gründer legt man den Kurs und die Zukunft der Firma fest. Es werden Entscheidungen getroffen, die am besten mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmen, was sich wiederum positiv auf die persönliche Motivation und Arbeitsleistung auswirkt.
Natürlich kann einem niemand die Arbeitszeiten vorschreiben, jedoch arbeiten Selbstständige in der Praxis länger als Angestellte. Laut dem Statistischen Bundesamt arbeiten insgesamt 57% der Selbstständigen mit Beschäftigten mehr als 48 Stunden pro Woche, während nur 5,4% der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer diese Stundenzahl überschreiten.

Die Risiken und die Ungewissheit über die zukünftige Entwicklung eines Start-ups beschäftigt viele Gründer. Statistisch betrachtet scheitern mehr als 80% aller Start-ups innerhalb der ersten drei Jahre. Die wesentlichen Gründe dafür sind laut Gründerpilot (1) fehlende Nachfrage, (2) Probleme im Team und (3) fehlende Liquidität. Ändert sich die Auftragslage oder das Marktumfeld abrupt kann aufgrund geringer Liquidität und Kapital ein finanzielles Risiko entstehen, da beispielsweise Verbindlichkeiten nicht fristgerecht bezahlt werden können. Je nach Geschäftsform bzw. Haftung geht man ein bestimmtes finanzielles Risiko ein.

4. Finanzierung – Start-ups vs. Unternehmensnachfolge

4.1 Wachstum durch Venture Capital

Innerhalb der Wachstumsphase haben junge Unternehmen oft einen hohen Finanzierungsbedarf. Die Wege an Fremdkapital zu kommen, reichen über Crowdfunding und Business Angels hinzu Institutionen oder Risikokapitalgebern. Bei der Fremdfinanzierung durch Risikokapital (engl. Venture-Capital) kaufen Beteiligungsgesellschaften Anteile von Start-ups mit der Absicht diese zu einem späteren Zeitpunkt gewinnbringend wieder zu verkaufen. Dem überdurchschnittlichen Risiko der Investoren stehen überdurchschnittlich hohe Renditechancen gegenüber, wenn das Start-up wirtschaftlich erfolgreich wird. Laut Statista erlebte die Venture-Capital Landschaft 2021 ein Rekordjahr mit über 3,9 Milliarden Euro Investitionsvolumen.

4.2 Wachstum durch Eigenkapital und Fremdkapital

Da auch etablierte Unternehmen in der Regel stetig wachsen möchten, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und erfolgreich zu sein, ist es wichtig folgende Fragestellung zu erörtern: Wie gestaltet sich die Finanzierung, damit das Wachstum auch nachhaltig und zielführend ist?
Wenn man sich über Wachstum Gedanken macht, sollte man (1) die Kernkompetenzen seines Unternehmens klar definieren, (2) analysieren in welchen Märkten die größten Wachstumspotenziale bestehen und (3) überlegen wie man Kundenbedürfnisse noch besser befriedigen kann. Anschließend gilt es die Frage zu beantworten, wie Wachstum für das eigene Unternehmen definiert wird und wie dadurch die festgelegten Ziele erreicht werden.
Unternehmen mit ausreichend Kapital können ihre Wachstumsstrategie durch Eigenkapitalfinanzierungen umsetzen. Doch wenn nicht genügend Eigenkapital vorhanden ist und neue Marktchancen schnell ausgenutzt werden sollen, ist Fremdkapital äußerst attraktiv. Noch dazu können die Zinsen für eine externe Finanzierung unter der Rendite liegen, die durch das Eigenkapital erwirtschaftet werden kann.

Fazit – Unternehmensnachfolge oder Start-up: Was ist nun vorteilhafter?

Es gibt keine klare Antwort auf diese Fragestellung, denn die Aufgaben und Einsatzbereiche sind bei beiden Varianten spannend und breitgefächert. Neugründungen garantieren innovative Ideen und große Gestaltungsfreiheit. Doch auch bei Nachfolgeregelungen kann man traditionelle Geschäftsmodelle mit innovativen Elementen kombinieren und sich so vor der unsicheren und risikoreichen Anfangsphase einer Neugründung absichern.

Wichtig ist, durch ausreichende Vorbereitung Risiken vorzubeugen und vermeidbare Fehler zu verhindern. Die Gegebenheiten, die Gründer oder Nachfolger vorfinden, können sehr verschieden sein. So gibt es nicht einen richtigen ‚Bauplan‘ wie Unternehmen erfolgreich gegründet oder übernommen werden, sondern viele verschiedene Hilfestellungen, an denen man sich orientieren kann.
Ob eine Neugründung oder eine Unternehmensnachfolge nun besser ist, liegt zuletzt an der individuellen Erfahrung, Situation und Ambition der Beteiligten.