Aufgrund des steigenden Bedarfs von Klimageräten im gewerblichen und privaten Bereich ist die Klimatechnik heutzutage besonders wichtig. Dabei ist die Kontrolle über die Raumtemperatur nicht nur für die Lebensmittelbranche, sondern auch in anderen Bereichen wie in Büroräumen immer wesentlicher. Auch die Anforderungen an energetische und feste Gebäudehüllen und ein gestiegenes Komfortbedürfnis begründen den wachsenden Einsatz von Klimatechnik.

Beim Verkauf eines Betriebs im Bereich Kälte- und Klimatechnik ergeben sich einige Besonderheiten, die man beachten sollte. In dem folgenden Artikel beleuchten wir diese Themen und geben Tipps für den erfolgreichen Verkauf eines Kälte-/Klimatechnik Unternehmens.

Wachstumstreiber und steigende Nachfrage nach Kälte- und Klimatechnik

Die thermische Sanierung zur Modernisierung und Minimierung des Energieverbrauchs hat besonders in Deutschland an Bedeutung gewonnen. So umfasst das Förderprogramm für Kälte- und Klimaanlagen den Bau und Einsatz von neuer Technologie im Bereich der gewerblichen Anlagen und soll damit zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Reduktion der Treibhausgase beitragen. Ein weiterer Wachstumstreiber ist die F-Gas Verordnung, welche eine schrittweise Beschränkung der am Markt verfügbaren Mengen an HFKW vorschreibt. Die vorgeschriebenen Dichtheitsprüfungen bei bestehenden Anlagen mit umweltschädlichen Kältemitteln treiben die Serviceumsätze der Branche. Es ist außerdem davon auszugehen das die Verfügbarkeit von populären Kältemitteln wie R410a und R134a, welche immerhin noch in 90% der Systeme eingesetzt werden, in Zukunft reduziert wird. Mit der sinkenden Verfügbarkeit gehen steigende Preise, höhere Betriebskosten und Unsicherheiten im Betrieb der Geräte einher. Auf kurz oder lang muss somit ein Großteil der Anlagen ausgetauscht oder modernisiert werden. Alternativen lassen sich in Anlagen mit natürlichen Kältemitteln wie CO2 oder Ammoniak finden. Der Klimaschutz und Maßnahmen zur Energieeinsparung sind somit die Haupttreiber für die zukünftige Nachfrage. Des Weiteren sorgt der Klimawandel und die daraus resultierenden Extremwettersituationen für steigende Nachfrage. Das Marktumfeld bewerten 60% der Betriebe im Bereich Kälte- und Klimatechnik als gut (Konjunkturumfrage des VDKF).

Besonderheiten im Bereich Kälte- und Klimatechnik

Handwerksbetriebe unterscheiden sich besonders stark in der Größe und damit auch in den Aufgaben des Inhabers. In den meisten Fällen agiert bei Handwerksbetrieben der Inhaber auch als Geschäftsführer. Dementsprechend steuert der Inhaber auch das Unternehmen bezüglich Planung und strategischer Ausrichtung. In Deutschland macht das den Großteil der Handwerksbetriebe aus, da die meisten handwerklichen Unternehmen weniger als zehn Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz unter einer Million Euro erzielen. Eine weitere Besonderheit ist der Unterschied zwischen zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerksbetrieben. Je nach Art, muss für die Ausführung des gewerblichen Handwerks in Deutschland ein Nachweis der Qualifikation erbracht werden. Bei zulassungspflichtigen Handwerksbetrieben besteht eine Meisterpflicht, bei zulassungsfreien hingegen nicht.

Der Meisterbrief in der Klimatechnik

Wer in Deutschland ein Unternehmen für Klimatechnik führen möchte, muss einen Meisterbrief als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik vorlegen. Alternativ dazu kann die Meisterprüfung zum Mechatroniker für Kältetechnik abgeschlossen werden. Das bedeutet für den Unternehmenskauf im Bereich Klimatechnik, dass eine Übernahme ohne Meisterbrief nur dann möglich ist, wenn die Verantwortung im Unternehmen auf einen Mitarbeiter übertragen werden kann. Dementsprechend ist ein Betrieb mit einem Mitarbeiter mit Meisterprüfung für Käufer besonders attraktiv, falls der Kaufinteressent nicht über einen eigenen Meisterbrief verfügt.

Worauf Käufer bei Kälte- und Klimatechnik Betrieben achten

Handwerksbetriebe aus dem Bereich Klimatechnik arbeiten in der Regel mit fertigen Industrieprodukten. Das bedeutet, dass die Lieferungsverträge und die Geschäftsbeziehungen zu Großhändlern oder Herstellern einen besonderen Stellenwert haben. Der Verkäufer sollte daher ein großes Augenmerk auf die Verträge und Vereinbarungen legen, um die Beschaffung der Produkte dem Käufer langfristig und kostengünstig zu garantieren. Außerdem wird der Käufer auf eine angemessene Ausstattung und funktionsfähige Werkzeuge achten, um hohe Investitionsausgaben zu vermeiden.

Handwerksbetriebe sind meist lokal in einer Region verankert und können aufgrund von Kunden und Mitarbeitern nur schwer den Standort wechseln. Daher gilt es für den Verkäufer, die Attraktivität des Standorts dem Käufer klar zu vermitteln. Ein dichtes Kundenetz mit schlanken Betriebsabläufen ist für potenzielle Käufer besonders interessant, um die Personalkosten und den Verwaltungsaufwand gering zu halten.

Gute IT-Infrastruktur steigert den Unternehmenswert

Für einen hohen Verkaufserlös lohnt es sich, Investitionen zu tätigen und in die IT des Unternehmens zu investieren. Eine gute Ausstattung und moderne Systeme verbessern den Gesamteindruck merklich, was sich wiederum in einer höheren Unternehmensbewertung ausdrückt. Dabei hilft es besonders auf die folgenden Punkte zu achten:

  • Prozesse sind umfassend digitalisiert und implementiert
  • Regelmäßige Durchführung von Updates
  • Mögliche Betreuung der Softwareanwendungen durch externe Anbieter

Eine umfassende Digitalisierung bedeutet, dass die Mitarbeiter und Monteure im Außendienst technisch so ausgestattet sind, dass sie Berichte und Protokolle digital erfassen können. Das ermöglicht dem Innendienst die Prozesse schlank und transparent abzuwickeln.

Geschickte Gestaltung von Rahmenverträgen und Einbindung von Subunternehmen

Im Bereich Kälte- und Klimatechnik geht die Kundenbeziehung oftmals über den einmaligen Aufbau oder die Installation hinaus. Weitere nachhaltige Folgedienstleistungen umfassen die Reinigung, die Wartung oder den Umbau von Anlagen. Daher freuen sich potenzielle Käufer über langfristige und umfassende Verträge, die einen planbaren Umsatz ermöglichen. Dabei greifen Handwerksbetriebe für die Erbringung von Bau- und Reinigungsdienstleistungen oftmals auf Subunternehmer zurück. In diesem Zusammenhang hilft es, die Subunternehmer an den Betrieb zu binden und eine gewissen Abhängigkeit zu erzeugen, um sich auf die Kerngeschäftsbereiche zu konzentrieren und Lohnnebenkosten zu vermeiden.

Nachhaltige Personalplanung als Alleinstellungsmerkmal

Auch der Fachkräftemangel macht dem deutschen Handwerk weiterhin zu schaffen. Daher ist im Handwerk die strategische Personalplanung besonders wichtig, um dem Käufer eine gewisse Planungssicherheit zu gewährleisten. Das kann durch unterschiedliche Maßnahmen erreicht werden. Eine davon ist der Anreiz, die Rente von Angestellten durch Teilzeitmodelle aufzuschieben. Außerdem unterstützen sich Handwerksbetriebe vermehrt gegenseitig durch Netzwerke oder Mitgliedschaften in Verbänden. Kooperationen mit Handwerkskammern stärken den Zusammenhalt und können durch gemeinsame Werbebudgets die Aufmerksamkeit für den Beruf steigern. Daher gilt es, diese Aufgaben anzugehen und den Handwerksbetrieb frühzeitig für anderen Interessenten attraktiv zu machen. Neben der Personalbeschaffung ist auch die Weiterbildung der Mitarbeiter wichtig, da Käufer auf ein technisches Knowhow der Mitarbeiter Wert legen. Insofern sollte der Inhaber auf die kontinuierliche Weiterbildung seiner Mitarbeiter achten, um den Marktstandards stets gerecht zu werden.

Gutes Umfeld für eine externe Unternehmensnachfolge

Betriebe aus der Kälte-/ Klimatechnik sind aktuell sehr gefragt und entsprechend gut ist der Zeitpunkt für eine externe Nachfolge, da eine Konsolidierung im Markt zu beobachten ist. Sowohl größere Familienbetriebe als auch Handwerksgruppen und Finanzinvestoren haben innerhalb der letzten Jahre immer mehr Unternehmen aus dieser Branche übernommen und die investorenseitige Nachfrage nach Kälte- und Klimatechnik Betrieben steigt weiterhin stetig. Dazu kommen Anlagenbauer, die entlang der Werkschöpfungskette verlorenes Terrain bei Installation und Wartung zurückgewinnen wollen. Neben den positiven Zukunftsaussichten innerhalb der Branche und der allgegenwärtigen Nachfolgeproblematik im deutschen Mittelstand gibt es weitere Gründe für das große Interesse von Investoren. Die Kälte-/Klima Branche ist stark fragmentiert und zeichnet sich durch eine Vielzahl kleinerer Anbieter aus. Auffällig ist, dass die Anzahl aktiver Unternehmen, die das komplette Leistungsspektrum abbilden können, verhältnismäßig gering ist. Gleichzeitig machen der Branche der Mangel an Kälteanlagenbauern und weiteren Fachkräften zu schaffen, wobei der zukünftige Personalbedarf selbst durch Ausbildungsaktivitäten kaum zu decken ist. Eine natürliche Folge sind Konsolidierungstendenzen, um im Verbund einer Unternehmensgruppe seine Kompetenzen zu bündeln und als chancenreicher, attraktiver Arbeitgeber mit Perspektive wahrgenommen zu werden. Die Unternehmensgruppen und Investoren konkurrieren als Treiber der Konsolidierungstendenzen um die gut aufgestellten Handwerksbetriebe und treiben somit auch die durchschnittlichen Verkaufserlöse in die Höhe. Wenn sich keine interne Nachfolgelösung finden lässt, ist der aktuelle Zeitpunkt somit hervorragend geeignet, um eine externe Nachfolgelösung anzustreben und einen Kälte- und Klimatechnik Betrieb zu verkaufen.

Fazit Unternehmenserkauf im Bereich Kälte-/ und Klimatechnik

Der Verkauf einer Handwerkbetriebs aus dem Bereich Kälte- und Klimatechnik kann für den Eigentümer insbesondere zum aktuellen Zeitpunkt äußerst attraktiv sein. Die Gründe hierfür liegen in dem attraktiven Marktumfeld, das durch eine hohe Nachfrage und neue Förderprogramme geprägt ist. Vorrausetzung für einen erfolgreichen Firmenverkauf ist eine gute Vorbereitung, umfassendes Dokumentationsmaterial und ein professioneller Verkaufsprozess, der durch einen M&A-Berater strukturiert wird. Bei der Vorbereitung sollte insbesondere auf eine langfristige Personalplanung und auf die Verträge mit den Lieferanten und Kunden geachtet werden.