Die konkreten Folgen und das Ausmaß der Corona-Pandemie auf die deutsche und weltweite Wirtschaft sind bisher schwer abzusehen. Jedoch ist klar, dass COVID-19 und der daraus resultierende „Lockdown”, zu tiefgreifenden Einschnitten in die Wirtschaft führt und aller Voraussicht nach langfristige Veränderungen mit sich bringen wird. Nahezu alle Branchen haben mit den Folgen der politischen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu kämpfen. Unternehmen versuchen die Umsatzrückgänge und Liquiditätsengpässe mit Hilfe von staatlichen Liquiditätshilfen oder Krediten aufzufangen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die mit der Pandemie einhergehenden wirtschaftlichen Folgen auf den deutschen Small- und Mid-Cap M&A-Markt haben.

Die initiale Unsicherheit und hohe Volatilität durch den Pandemie-Schock in der akuten Phase der Corona-Krise hat zu mehr Zurückhaltung und teilweise zur zwischenzeitlichen Unterbrechung von Transaktionen im M&A-Markt geführt. Trotz des momentan von sinkenden Margen, unterbrochenen Lieferketten und abnehmender Profitabilität geprägten wirtschaftlichen Umfelds, sehen die deutschen Unternehmen auch Chancen für Zukäufe. So erkennen laut einer aktuellen Studie von Ernst & Young 26% der deutschen Unternehmen in der Krise nun die Möglichkeit, durch Fusionen und Übernahmen ihren Marktanteil zu vergrößern. Insgesamt planen 56% der Unternehmen weltweit, sich in den nächsten 12 Monate aktiv mittels Unternehmensübernahmen zu erweitern. 40% der Unternehmen erhoffen sich dabei aufgrund von sinkenden Bewertungen einen reduzierten Kaufpreis. Es wird erwartet, dass das geringere Preisniveau zu einem deutlichen Anstieg der M&A-Aktivitäten führen wird.

Small- und Mid-Cap M&A-Markt weniger stark betroffen

Aus einer umfangreichen Analyse der US-Bank Goldman Sachs geht hervor, dass der Small- und Mid-Cap Sektor mittelfristig zu den Gewinnern der Corona Krise gehören könnte. Dazu werden drei Gründe angeführt:

  1. Über die tiefgreifende Rezession hinaus, die die Pandemie mit sich bringt, werden auch grundlegende Veränderungen in der Weltwirtschaft erwartet. Eine häufig damit in Verbindung gebrachte These ist, dass die Globalisierung dadurch etwas „zurückgedreht“ wird. Da kleinere Unternehmen in der Regel einen geringeren geografischen Wirkungskreis haben, dürften diese weniger durch einen Rückgang der Globalisierung beeinträchtigt sein.
  2. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen profitieren von der lockeren Geldpolitik im Rahmen von Liquiditätsspritzen und Hilfspaketen der Notenbanken. Diese Maßnahmen sorgen weiterhin für niedrige Zinsen und eine in der Zukunft möglicherweise ansteigenden Inflationsrate. Aufgrund der Tatsache, dass kleinere Unternehmen tendenziell auf einer größeren Schuldenlast (Ø 85% Verschuldungsgrad) sitzen als große Unternehmen (Ø 50% Verschuldungsgrad), profitieren „Small Caps” in größerem Ausmaß sowohl von einer reduzierten nominalen Schuldenlast durch geringere Zinszahlungen, als auch einer sinkenden realen Schuldenlast durch den steigenden Wertverlust des Geldes im Laufe der Zeit.
  3. Häufig geht mit einem Wirtschaftsabschwung eine Zunahme von Unternehmenskäufen und Zusammenschlüssen einher. Zielobjekte für die zunehmenden M&A Aktivitäten sind dann auch kleine- und mittlere Unternehmen.

Es ist erkennbar, dass trotz eines Rückgangs der kumulierten Transaktionen um fast 40% im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr gerade der deutsche Small- und Mid-Cap Markt weniger stark betroffen ist. Insgesamt liegt der Fokus von Unternehmen auf kleineren Transaktionen, da die größeren Deals zum Teil ein größeres Risiko mit sich bringen und zudem auch nur schwerer finanzierbar sind. Eine ähnliche Schlussfolgerung lassen die Ergebnisse einer Umfrage von DealCircle zu, bei der ca. 130 M&A-Beratungen befragt wurden. Demnach haben Mid-Cap M&A-Häuser nur eine geringe Reduktion an Interessensbekundungen im Vergleich zum Vorkrisenniveau realisiert, während größere M&A-Häuser deutlich mehr Einbußen zu beklagen haben. So sehen nur 54% der Berater deutliche Auswirkungen bei Small-Cap-Deals im Gegensatz zu 72% bei Mid-Cap-Deals. Insgesamt scheint der Mid-Cap M&A-Markt geringfügiger von den Auswirkungen der Pandemie betroffen zu sein. So gaben 30% der Befragten an, dass es bei mehr als der Hälfte der Transaktionen keine Einschränkungen gäbe, 70% berichteten von keinen Verzögerungen betroffen zu sein und für 88% gehört auch der Projektabbruch eher der Seltenheit an.

Veränderungen in der Struktur des M&A-Markts

Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen wird eine Veränderung der Struktur des deutschen M&A Markts in einigen Aspekten erwartet:

  • Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt
  • Mehr Distressed-M&A-Transaktionen
  • Priorität verschiebt sich zunehmend von Kaufpreis-Maximierung zu Transaktionssicherheit
  • Vermehrte Einbindung von MAC- und Earn-out Klauseln
  • Mehr defensive Deals und Notverkäufe

Fazit: Auswirkungen auf den Small- und Mid-Cap M&A-Markt geringfügiger als im Large-Cap

Die Corona-Pandemie hat wie in vielen Branchen auch zu Veränderungen im M&A-Markt geführt. Es lässt sich jedoch festhalten, dass gerade der Small- und Mid-Cap Sektor in Deutschland weniger stark unter den Folgen der Pandemie leidet als der Large-Cap Sektor und mittelfristig sogar profitieren könnte.